Anne Wolff • 11. Februar 2025
Neulich bin ich über einen Beitrag gestolpert: „Mit diesen 33 Sätzen kannst du als Führungskraft Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern ausdrücken.“
Meine Reaktion? Augenrollen deluxe. Soll das etwa heißen, ich klopf n Spruch aus der Liste- zack, das Team fühlt sich gesehen und gewürdigt? Wirklich? Der Gedanke, dass eine Führungskraft so Sätze auswendig lernt, um damit authentisch wertschätzen zu können, fühlt sich für mich völlig schräg an.
Und hier einmal Klartext über Wertschätzung und DEN Grund warum das scheitert. Für mich ist klar: Wertschätzung von Mitarbeitern sind keine 33 Sätze. Ist kein Geld. Keine Technik. Keine Checkliste. Keine schnelle Lösung. Keine Floskel. Es ist eine Haltung – eine innere Einstellung, die man nicht einfach auf Knopfdruck abrufen kann, als hätte man sie im letzten Wochenendseminar gelernt. Haltung kann man nicht faken – jedenfalls nicht lange.
Die wertschätzende Haltung zeigt sich vor allem durch eins: Zeit.
Da sein. Richtig da sein. Kein Multitasking im Gespräch. Nicht „ich-höre-dir-zu-aber-checke-noch-meine-Mails“. Kein halbherziges „Ja, ja, ich höre zu“, während der Blick ständig aufs Handy wandert oder zu all den Gedanken, die du loswerden willst, zu dem, was dein Gegenüber gerade erzählt. Diese Art von Aufmerksamkeit ist heutzutage fast schon rebellisch – so rar, dass sie auffällt. Diese Art von Präsenz ist heutzutage vielleicht herausfordernd, aber genau darum so wertvoll.
Und es funktioniert: mit Zeit.
Und genau das fehlt uns heutzutage doch am meisten.
Für mich (und viele andere wenn man Fachliteratur und Google glaubt) ist Wertschätzung von Mitarbeitern der wohlwollende Fokus auf das was gut ist, auf positive Eigenschaften eines Mitarbeiters. Immerzu gerichtet auf den positiven Wert der Persönlichkeit. Jeden Mitarbeiter also anzunehmen wie er ist. Komplett. Mit all seinen Eigenheiten, Macken und auch den Sachen, die nicht so rund laufen. Und das bedeutet auch Vertrauen zu schenken, dass man einander schätzt, unabhängig von Fehlern oder Problemen. Keine Bedingung, kein „Du bist nur gut oder wertvoll, wenn…“.
Es ist für mich auch keine Frage von Leistung. Es geht nicht darum, jemanden nur dann anzunehmen, wenn er „abgeliefert“ hat. Genau hier wird’s spannend: Kannst du das wirklich? Oder schiebst du doch ab und zu ein „Ja, aber…“ hinterher?
Diese Haltung lässt sich nicht durch Worte allein transportieren – sie wird spürbar, wenn sie echt ist. Es ist dieses wohlwollende „Ich sehe dich“. Und wenn du das nicht selbst fühlst, kannst du sagen, was du willst – es kommt nicht an.
Wahre Wertschätzung von Mitarbeitern hat n Einfluss auf Leistung, Wohlbefinden, Gesundheit und sorgt dafür, dass die Systeme für Motivation und Entwicklung in uns hochgefahren werden. Deshalb is echte Wertschätzung auf jeden Fall n richtig krass funktionierendes Führungsinstrument (quasi Führungsmindset) ist, weil es Veränderung, Entwicklung und Motivation ermöglicht.
Warum das so ist?
Nun ick bin keine Wissenschaftlerin, aber: Echte Wertschätzung setzt bei deinen Mitarbeitern Dopamin frei und steigert somit unsre Konzentration und Leistungsfähigkeit und das wiederum fördert auch Arbeitsfähigkeit und Motivation. Sie setzt Endorphine (Euphorie) und Oxytocin (Vertrauen) frei und steigert unser Wohlbefinden, es entstresst, wir erleben soziale Unterstützung und Entlastung. Außerdem wird dadurch das Risiko für Ängste, Burnout und Depressionen reduziert.
Das kannste jetzt glauben oder googlen. Es gibt mittlerweile zahlreiche Studien und Statistiken, die untersuchen, welchen körperlichen Einfluss das Ganze auf uns Menschen hat.
Okay, die Frage ist immer noch: Wie können wir also jemandem Wertschätzung, diese Haltung entgegenbringen, wenn wir es selbst nicht fühlen? Ausdrücken können wir Wertschätzung gegenüber unseren Mitarbeitern, indem wir uns Zeit füreinander nehmen und auch Zeit einfordern, das ehrliche Interesse und Neugier aneinander zeigen. Und hier kommen die Kommunikationsklassiker, die du sicher auch schon in zig agilen Kommunikationstrainings gehört hast:
Mal ehrlich:
Du kannst einem Mitarbeitenden zehnmal “Danke.” sagen, es wird sich trotzdem nicht so anfühlen. Wenn du keinen Schimmer hast, was das für dich bedeutet und wie sie sich für dich anfühlt, wie willst du sie dann authentisch an andere weitergeben? Spoiler: Gar nicht. Stattdessen versuchst du es dann mit Floskeln, die vor allem schnell gehen und Zeit sparen, denn PUH- für all das oben braucht man ganz schön viel Zeit. Doof nur, dass dann selbst die Zeit, die mit Floskeln verbracht wird, verschwendet ist.
Der Punkt, den viele nicht auf dem Schirm haben: Die eigene Wertschätzung für sich selbst spüren. Denn ohne Selbstwertschätzung wird das ganze Thema ein Rohrkrepierer. Und Selbstwertschätzung ist immens wichtiger Bestandteil deiner Selbstführung.
Also bevor wir den großen Wertschätzer raushängen lassen, sollten wir mal bei uns selbst anfangen. Hand aufs Herz: Wie oft spüren wir Wertschätzung für uns selbst? Wann haben wir uns das letzte Mal gesagt: „Hey, das machst du echt gut“ – ohne uns dabei blöd vorzukommen? Wann haben wir zuletzt bewusst gespürt, dass wir uns selbst wertschätzen? Zeit nehmen uns selbst zu sehen mit all den Stärken und Schwächen. Und dazu gehört vor allem auch: Wann warst du fürsorglich mit dir selbst, statt schlecht zu denken, als etwas nicht geklappt hat?
Für mich ist das der Kern.
Zu verstehen, was Wertschätzung für dich bedeutet und sie fühlen lernen.
Und dann kannst du es SPÜREN. Und dann verhältst du dich wie AUTOMATISCH wertschätzend. Ohne das, bleibt alles andre Fassade.
Aber hey, lass uns mal kurz über die Führungskräfte reden, die sich in diesem Hamsterrad aus Anforderungen, Erwartungen und Deadlines befinden. Viele erleben vielleicht selbst wenig Wertschätzung in ihrem Umfeld. Viele haben es einfach nie gelernt.
Vielleicht arbeiten sie in einem Umfeld, wo „Danke“ schon fast als Schwäche gilt und es entsteht der Eindruck, sie müssten ständig stark und unnahbar sein, weil Verletzlichkeit nicht ins Bild passt.
Also, kein Vorwurf. Aber vielleicht ein kleiner Denkanstoß:
Wenn das so ist, wäre der erste Schritt vielleicht, sich selbst mehr Raum zu geben, eigene Bedürfnisse und Emotionen wahrzunehmen. Wie möchtest du wirklich behandelt werden? Und wie könntest du das deinem Team weitergeben?
Und ja, ich weiß, es ist nicht immer einfach. Vor allem, wenn man sich in einer Rolle wiederfindet, in der man sich selbst kaum gesehen fühlt. Vielleicht, weil die eigene Führungskraft eher auf Zahlen als auf Menschen schaut. Aber genau da setzt für mich die Selbstwertschätzung und Eigenverantwortung als Führungskraft und Unternehmerin an.
Und das Ganze ist keine Einbahnstraße. Du kannst nicht erwarten, dass dein Team dir Vertrauen, Respekt und Ehrlichkeit entgegenbringt, wenn du selbst nicht authentisch bist. Authentizität ist die Basis. Und nein, das heißt nicht, den Leuten ungefiltert deine Gefühlslage um die Ohren zu hauen. Es heißt, echt zu sein – auch mal verletzlich, auch mal nicht perfekt. Und ja, das erfordert Mut.
Zum Schluss: Ich hab nicht den Anspruch, hier den Weisheitshut aufzusetzen und zu sagen, wie es laufen muss. Aber ich glaube, nach diesem Artikel ist Wertschätzung von Mitarbeitern kein Buzzword, das du in die nächste Teamrunde wirfst. Fakt ist, dass es n richtig krass funktionierendes Führungsinstrument- quasi Führungsmindset- ist, weil es Veränderung, Entwicklung und Motivation direkt beeinflusst. Keine Methode, um Mitarbeitende „besser funktionieren“ zu lassen. Diese Haltung beginnt bei dir. Und sie zeigt sich nicht in auswendig gelernten Sätzen, sondern in echtem Kontakt. (Der Übrigens auch zuerst bei dir selbst zu dir selbst beginnt.)
Also wie siehts aus? Vielleicht ist es an der
Zeit, dir selbst ein paar Fragen zu stellen- Was brauche ich, um mich wertgeschätzt zu FÜHLEN? Wie kann ich diese Haltung für mich spürbar machen und dadurch auf andere zugehen?
Und wie kann das Arbeitsumfeld dadurch ein bisschen menschlicher werden?
-
ganz ohne Checkliste, aber mit ein bisschen mehr Zeit, Mut und Ehrlichkeit.
Anne Wolff
Mentorin für unkonventionelle Selbst- & Teamführung
Hi, ich bin Anne und ich brenne dafür, Führung mit Dir gemeinsam neu zu denken, Dein Ding draus zu machen- UND umzusetzen! Das heißt: authentisch DU in deiner Führungsrolle für selbstsichere intuitiv-mutige Führung, die sich federleicht anfühlt, mit der vor allem Du dich wohl fühlst. Und mit der Du genau deshalb deine Ziele erreichst. Mit leidenschaftlichen, umsatzstarken und gesunden Teams.
Führung und Flow,
weil es sich nicht ausschließt, sondern zusammengehört!
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